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Probebühne Wiener Staatsoper

Ausloberin: Theaterservice GmbH / gemeinsam mit: ARGE Veselinovic-Resetarits-Gmeiner-Haferl, TGA: Allplan GmbH, Bauphysik: DI Martin Tichelmann

EU-weiter, nicht offener, einstufiger Realisierungswettbewerb

WESENTLICHE GESTALTUNGSMERKMALE DER KONZEPTION
1. Die beachtliche Kubatur der Probebühne wird in einen dynamisch differenzierten Baukörper aufgelöst.
2. Die gewählte Materialauswahl verstärkt das Wechselspiel des neuen Baukörpers zum Bestand – siehe beiliegende Musterplatte.
3. Durch die architektonische Konzeption wird eine Landmark geschaffen.
4. Alle technischen, funktionalen und sonstigen Vorgaben werden voll erfüllt und gewährleiten eine kostengünstige Betriebsführung.
5. Der überwiegende Einsatz von „Industriebauelementen“ ermöglicht eine schnelle und budgetkonforme Umsetzung.
6. Im Einklang mit der Baukörperausbildung werden attraktive, licht durchflutete Aufenthalts- und Arbeitsräume für die Mitarbeiter und Benützer erzielt.
7. Die Wahrnehmung des Bauwerks korrespondiert mit der positiven öffentlichen Besetzung der Wiener Staatsoper.


STÄDTEBAU – ARCHITEKTUR
Die in ihrer Dimension beeindruckende schwebende Kubatur der Probebühne wird durch einen stringent dynamisierten Baukörper in eine klare und glaubwürdige Form gebracht.
Nach Südwesten, an der Stirnseite des Gebäudes betont und assoziiert das große „Bühnenfenster–Guckloch“ die Funktion des Gebäudes als Probebühne und markiert das Ende der länglichen Gebäudestruktur. Die Längsausrichtung des Depots wird straßenseitig aufgenommen und vertikal vorragende silbrige Elemente trennen als Zäsur die Gebäude mit ihrer verschiedenartigen Materialität. Nordöstlich gibt es einen Versatz in der Längsausdehnung, der durch die geforderten Ausmaße begründet ist und beim Andocken an den Bestand ebenfalls die Zäsurelemente aufweist.

Der Probebühnenraum samt dazu gehörender Räumlichkeiten ist schwebend über den geforderten Zuliefer- und Manipulationsbereich im Erdgeschoß angeordnet und wird durch ein transparent gehaltenes Foyer erschlossen. Die reduzierte, zurück- gestaffelte Dimension des Rollbodens spiegelt sich als Abschluss im Baukörper wider, wodurch keine Verschmelzung mit dem Satteldach des Depots erfolgt. Der Rücksprung entlang der Längsseiten gliedert die Höhenentwicklung des Baukörpers und schafft gleichzeitig gute Belichtungsverhältnisse für die Kombihalle.
Als verbindendes Element dient die von der Schauseite beginnend geneigte Dachfläche mit seitlichen Streckmetallelementen, unter der die erforderlichen Haustechnikaußengeräte situiert sind. Die fünfte Fassade-Dachlandschaft ist somit ein Bestandteil der Gesamtkomposition des Baukörpers
Architektonisch wird eine klare Ablesbarkeit geschaffen, die gleichzeitig auf die zwei städtebaulichen Situationen Bezug nimmt. Zur Längsseite hin durch den geschlossen Kubus und stirnseitig durch die großzügig transparenten Öffnungen, die zu einem Element in der leicht geneigten Fassade zusammengefasst sind. Mit dieser Anordnung entsteht ein Vorfeld, das die urbane Situation aufnimmt und widerspiegelt.
Das Erscheinungsbild des Baukörpers verändert sich je nach Sonnenstand und Lichtverhältnissen, da die Metalloberfläche eine irisierende violett-blau-rosafarbige Beschichtung aufweist. Damit wird auch der teilweise vorhandene Lachston des Bestandes aufgenommen und gleichzeitig die Kombihalle und das Dekorationsdepot über dieses verbindende Element als ein Ensemble geschaffen.
Umspielt wird der irisierende Baukörper durch das Sichtbeton-Glaselement des Foyers samt den notwendigen Stahlbetonstützen und -scheiben und den zurückspringenden Rollbodenbaukörper, der dreiseitig eine beige-silbrige Oberfläche aufweist.
Durch die Gestaltung des Baukörpers und seine sich verändernde Außenmaterialität entsteht ein Wechselspiel der Dimensionen und eine interessant Oberflächenwahrnehmung von glatt-rau, glänzend-matt, sowie von groß- und kleinteilig. Der violett- blau- rosa Farbton in seinen Materialnuancierungen wirkt als verbindendes Element des Ganzen.


FUNKTIONALITÄT
Die gestellten Anforderungen hinsichtlich des Raumprogramms und notwendiger Abstände zur Kombihalle werden vom konzipierten Baukörper erfüllt und die bestehenden notwendigen Funktionsabläufe im Erdgeschoss (Anlieferung, Manipulationsfläche) bleiben unverändert.
Im Erdgeschoß befindet sich die vertikale Erschließung samt Foyer für die drei darüberliegenden Geschoße.
Im 1. Obergeschoß sind die Arbeits-, Aufenthalts- und Garderobenräume situiert, die im Nahbereich zur Bühne stehen müssen, die weiteren befinden sich im 2. Obergeschoß.
Der Bühnenraum ist ebenfalls direkt vom Stiegenhaus bzw. Lift zugänglich.
Weiters befindet sich im Bühnenraum auf der gegenüberliegenden Seite die geforderte Verbindung ins Dekorationsdepot. Dadurch ist eine funktional sinnvolle Entkoppelung gegeben. Vom Bühnenraum gelangt man über eine Treppe und einen Podestraum in den Rollboden und in den Außenbereich des überdachten Haustechnikbereiches.
Im 3. Obergeschoß gelangt man vom großzügigen Foyer einerseits in die Verwaltungsräumlichkeiten und andererseits in einen zentralen, großzügigen Aufenthaltsraum samt Teeküche.
Das Kellergeschoß weist Haustechnik und Lagerräume samt Waschküche auf.
Die Klarheit der Baukörper findet in der Grundrissorganisation ihre Entsprechung ohne die funktionalen Zusammenhänge aufzugeben und die Fassadengestaltung spiegelt die inneren Funktionen wider.