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Mattiellistraße 2-4 / Karlsplatz

Ausloberin: Zürich Versicherungs- Aktiengesellschaft / Konsulenten: Statik: Gmeiner-Haferl ZT GmbH, Freiraum: dnd Landschaftsplanung, Kunst am Bau: Mag.art. Ingeborg Kumpfmüller, TGA: HTB-Plan, Bauphysik: DI Martin Tichelmann

geladener Wettbewerb

Ausgangspunkt
Das Winterthur-Gebäude erhält durch die projektierte Stärkung des solitären Charakters des Wien Museums eine neue Rolle auf dem Karlsplatz. Es ist nun nicht mehr ein Verbindungsstück in der Platzrandbebauung. Schon allein durch den Abbruch der Überbauung der Symphonikerstraße kommt ihm eine neue Stellung zu, die einer schärfenden Definition seiner Bestimmung an dieser städtebaulich sensiblen Stelle zwischen dem in Hinkunft in seiner Präsenz aufgewerteten Kulturbau und dem bedeutenden barocken Sakralbau bedarf.
Mit diesen beiden Nachbarn in einen Wettstreit um optische Präsenz auf dem Platz zu treten, erscheint für das Bürogebäude nicht angemessen. Sehr wohl aber ist es notwendig, seine Rolle als stadtraumbildendes Element – sowohl was sein Bauvolumen und seine Proportionalität angeht, als auch seine Einbindung in den öffentlichen Raum der Umgebung – zu stärken.

Architektonisches und städtebauliches Konzept
Die Aufstockung bleibt daher – um mit den prominenten flankierenden Kulturbauten nicht in Konkurrenz zu treten – in ihrer Höhenentwicklung unter der künftigen Höhe des Wien Museums. Analog zu dessen horizontalem oberen Abschluss bleibt auch die Silhouette des Winterthur-Gebäudes linear, formal leitet der neue zweigeschossige Aufbau zum barocken Kirchenbau über. Die Kubatur des Bestandes wird – abgesehen von der Entfernung der Überbauung über der Symphonikerstraße – beibehalten.
Aus ineinandergreifenden Ellipsen wird die Konfiguration ersten Dachgeschosses gebildet. Dieses Motiv der Ellipse – eine Form, die Bewegung und Spannung erzeugt – spielt in der Architektur des Barock eine maßgebliche Rolle. Auch die Kuppel der Karlskirche ist über einem ellipsenförmigen Grundriss aufgebaut und desgleichen baut das Gestaltungskonzept von Sven-Ingvar Andersson für den Karlsplatz wesentlich auf dieser geometrischen Figur auf.
Die gerundeten Glasfassaden bilden an der Seite zum Karlsplatz eine von der Traufkante des Bestandsgebäudes zurückgesetzte geschwungene Front mit vorgelagerter Terrasse. Zur Mattiellistraße hin – ebenfalls zurückgesetzt – wird ein annähernd parallel zu den Bestandskanten verlaufendes Rückgrat ausgebildet.

Darüber liegt das zweite Dachgeschoß, das die drei darunterliegenden Ellipsen in einer freien Form fasst und überdeckt. Zur Karlskirche hin bildet es durch die abgeschrägte Schmalseite eine Distanz aus und mindert durch dieses deutliche „Wegdrehen“ der Aufstockung die Enge zwischen den beiden Bauten. Die Oberkante des transparenten Geschosses verläuft in gleicher Höhe wie jene des Zwischengeschosses des Projektes für das Wien Museum, der obere Gebäudeabschluss bleibt unter der Höhe des Wien Museums und nimmt die Höhe des Hauptgesimses der Karlskirche auf.

Landschaftsgestaltung

Die Landschaftsgestaltung basiert auf den Schichten der Geschichte. Die Zitate aus dem Barock leiten sich nicht nur aus der Karlskirche ab, sondern auch aus historischen Aufzeichnungen des barocken Hoyos-Gartens in unmittelbarer Nähe zum Karlsplatz. Transformierte Elemente des Barockgartens werden auf allen Ebenen des Hauses eingesetzt. Formgehölze, respektive geschnittene Hecken als klassisches Element der barocken Gartenkunst schaffen neue Bezüge und rahmen bestehende Elemente. Sie bilden einen bewusst gesetzten Kontrast zu der gepflegt verwilderten Grüninsel.
Das Gebäudevorfeld wird in den Resselpark mit einbezogen. Die Eingangssituation wird durch einen Plattenbelag zu einem Teil des Karlsplatzes. Der Bewegungsfluss wird somit bis an das Gebäude geführt und erfährt eine wichtige Aufwertung.
Die Terrassenlandschaft im 1. Dachgeschoß öffnet sich zum Karlsplatz hin und bildet zur Mattiellistrasse einen grünen Abschluss aus zahlreichen Ovalen. Die Dachlandschaft greift das Thema des Ovals ebenfalls auf und bildet sie als extensivbegrünte Inseln in Kiesflächen ab.