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Sonderkrankenanstalt Baden

ARGE Veselinovic / Resetarits / Gmeiner-Haferl, Bauherr: bVa - Versicherungsanstalt öffentlich Bediensteter / Konsulenten: Freiraum: dnd Landschaftsplanung, Fotos: Rupert Steiner

Geladener Wettbewerb, 1. Preis

Schon zur Römerzeit war Baden bei Wien – damals „Aquae“ benannt – für seine Schwefelquellen bekannt. Seine Blütezeit erlebte der Kurort in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, als sich die Stadt zu einer Lieblingsdestination des kaiserlichen Hofes und der Wiener Oberschicht entwickelte. Das Bild der Stadt prägte besonders der Wiener Architekt Josef Kornhäusel. Er zeichnet ebenso wie für den benachbart gelegenen und zeitgleich entstandenen Sauerhof auch für das 1822 fertiggestellte Badehaus verantwortlich, das über einer angeblich am Tag des großen Erdbebens von Lissabon im Jahr 1755 entsprungenen Quelle errichtet wurde. Der Kornhäuselbau wurde 1950 renoviert, aber wenige Jahre später im Zuge des Baues der neuen Kuranstalt der Versicherungsanstalt öffentlich Bediensteter abgetragen und in seiner ursprünglichen Form etwas versetzt neu errichtet. Nach mehreren Ausbauten der Anlagen wurde ab 2004 in zwei Bauphasen der Umbau zu einer modernen Sonderkrankenanstalt in Angriff genommen, der mit einer grundlegenden Erneuerung und Erweiterung verbunden war.

Ausgehend vom Anspruch, die ursprünglichen Qualitäten des Kornhäuselbaus wieder zur Geltung zu bringen, bestand die große Herausforderung darin, unter Miteinbeziehung des architektonisch wenig ambitionierten Bestandes aus den 1970er und 1980er Jahren ein atmosphärisch ansprechendes und funktional den modernen Anforderungen genügendes neues Ganzes zu schaffen. Das von Josef Kornhäusel als antikisierender Tempietto konzipierte Badehaus, das ursprünglich ein Bassin und großzügige Ruheräume barg, wurde von den über die Jahrzehnte eingefügten kleinteiligen Einbauten befreit und mit einem großen, halbkreisförmigen Oberlicht erhellt. Mit einer transparenten Spange, die im Erdgeschoß mit Foyer, Empfang, Cafeteria und Büros die stärker zur Öffentlichkeit hin orientierten Funktionen aufnimmt, wurde es an den Bestand angeschlossen. Die Speisesäle für Patienten und Personal liegen als wichtige Treffpunkte ebenfalls im Erdgeschoss dieses Bauteils, wenden sich aber zum Innenhof hin, zu dem eine großzügige, überdachte Terrasse überleitet.

Indem der neue Therapie- und Bettentrakt als Brückenbauwerk über dem bestehenden niedrigen Bauteil des Therapie- und Schwimmbades errichtet wurde, konnte der Hof trotz umfangreicher Erweiterung des Raumprogrammes von Bebauung freigehalten werden und als Rekreationsareal im Freien nutzbar gemacht werden. Zusätzliche Freiräume wurden mit einer Gemeinschaftsdachterrasse im obersten Geschoß des Bettentraktes und einem Vortrags- und Veranstalltungsraum, der wie ein Penthouse das Eingangsgebäude bekrönt, geschaffen.

Es entstand – verstärkt durch transparente Erweiterungen und Raumtrennungen – eine neue Durchlässigkeit innerhalb des Gebäudes, die Sichtverbindungen in umliegende Räume und ins Freie herstellen und so Patienten und Besuchern die Orientierung erleichtern und für ein luftiges, freies Raumgefühl sorgen, das seinen Beitrag zur Genesung leistet.

Bei aller aus ökonomischen Gründen gebotenen Schlichtheit wurde auf eine hochwertige Anmutung aller Oberflächen Wert gelegt. Terrazzoplatten kamen in den Allgemeinbereichen und Erschließungszonen zum Einsatz, Kautschukböden erfüllen die hohen Hygieneanforderungen in den Therapiebereichen, in den Patientenzimmern sorgen Parkettböden für Wohnlichkeit. Generell durchzieht das Haus eine von anmutiger Leichtigkeit getragene Farbigkeit und Materialität. Und auch das Äußere vermittelt nun mit den transparenten Glas-Aluminiumkonstruktionen, hinterlüfteten Faserzementfassaden und einem mit Glimmer versehenem mineralischen Putz jenes Flair, das einer zeitgemäßen Gesundheitseinrichtung in einer traditionsreichen Kurstadt angemessen ist.