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MVA Pfaffenau

ARGE Veselinovic / Resetarits / Gmeiner-Haferl, Bauherr: Wiener Kommunal-Umwelstschutz-Projektgesellschaft / Konsulenten: Freiraum: ZT Cordula Loidl-Reisch

In der Müllverbrennungsanlage Pfaffenau wird jährlich eine Viertelmillion Tonnen Restmüll thermisch verwertet und in Energie zur Versorgung von 50.000 Haushalten mit Fernwärme und 25.000 Kunden mit Strom umgewandelt. Der Standort auf Höhe des Freudenauer Hafens ist geprägt von Industriebetrieben, Großmärkten und städtischen Versorgungbetrieben, in unmittelbarer Nachbarschaft erstreckt sich das Areal der Wiener Hauptkläranlage. Es sind Notwendigkeiten in einer Großstadt, die hier an der Peripherie der Stadt ein heterogenes städtebauliches Konglomerat bilden, in dem der Wohlfühlfaktor meist nachrangige Priorität hat. Herausforderung und Ambition, für die einzelnen Betriebsobjekte – dazu gehören die Biogasanlage, in der 17.000 Tonnen Bioabfälle pro Jahr entsorgt werden, die Anlieferungshalle, das Betriebsgebäude und der Müllbunker – eine formale Fassung zu finden, die hohen architektonischen Ansprüchen genügt und zugleich ein angenehmes Arbeitsumfeld zu schaffen, waren daher groß und angesichts der Unwirtlichkeit der Umgebung umso vorrangiger.

Es entstand eine charakteristische, 260 Meter lange, bis zu 100 Meter breite und über 50 Meter hohe Großform, die zwischen den verschiedenen, in ihren Dimensionen höchst beeindruckenden Teilen der Anlage einen Zusammenhang herstellt und ihnen eine Fassung gibt, sie aber nicht verdeckt, sondern gleichsam wie ein Weichzeichner für eine harmonische Ästhetik des Gesamten sorgt.

Die dynamisch und muskulös wirkende, alles integrierende Hülle aus 1,5 x 3 m großen, orange pulverbeschichteten Streckmetalltafeln setzt – auch aus der Luft betrachtet – ein architektonisch markantes Zeichen und sorgt in der Leitfarbe der Wiener Müllabfuhr für eine starke Corporate Identity. Zugleich sorgen Gliederung und Materialität aber auch für die Integration in die Topografie der Simmeringer Haide und die angrenzende grüne Uferlandschaft des Donaukanals.

Zur Stadt hin orientiert bilden Betriebs- und Portiergebäude das Entree zur Anlage. Mit entsprechend einladender Gestik wenden sie sich den Ankommenden zu und empfangen neben den Akteuren und Akteurinnen des betrieblichen Alltags auch regelmäßig viele Interessierte, die an den angebotenen Führungen teilnehmen. Ein weit über dem rundum transparent gestalteten Portiersgebäude ausladendes Vordach markiert den Eingangsbereich. Ein glasgedeckter Steg führt über den Einfahrtsbereich in die Empfangsebene des Betriebsgebäudes, das eine Vielzahl an Räumlichkeiten wie Büros, Schulungsräume, Werkstätten und Garderoben aufnimmt. Sein Herzstück ist die sich über drei Ebenen erstreckende Halle, die zugleich repräsentabler Empfangsraum ist als auch eine wichtige Verteilerfunktion übernimmt.

Im Kontrast zur industriellen und naheliegender Weise rauen Anmutung der technischen Anlagen wurde hier Wert auf eine angenehme Atmosphäre, attraktive Wegführung, mannigfaltige Durchblicke und reizvolle Lichtstimmungen gelegt. Ein reduzierter, sorgfältig gewählter Materialeinsatz und entsprechendes Augenmerk auf gewissenhafte Detailausarbeitung verleihen eine edle Anmutung. Nicht um die camouflierende Verschönerung eines für das Funktionieren einer Großstadt notwendigen Zweckbaus ging es, sondern um die Integration von Technik, logistischen Abläufen und den damit verbundenen Zwängen in eine komplexe architektonische Inszenierung, die nicht nur als Zeichen nach außen oder als Showeffekt gegenüber Besuchern vordergründig wirksam ist, sondern in jeglicher Hinsicht ein attraktives, stimulierendes und wertschätzendes Arbeitsumfeld schafft.