English

Landesmusiktheater Linz

Auslober: Land Oberösterreich / Konsulenten: Verkehrsplaner: ZT DI Josef Prem, Bauphysik/Akkustik: ZT DI Franz Kalwoda, Kunst am Bau: Ingeborg Kumpfmüller

EU-weiter offener Architekturwettbewerb

Städtebauliche Lösung:
Erweiterung der Kernzone, Freiluftarena im Dachbereich

Die vorgeschlagene städtebauliche Lösung umfasst mehrere Ansätze: Der übergeordnete Lösungsansatz sieht vor, den Verkehr von der Blumauerstrasse entlang des Bahngleiskörpers zu verlegen (die derzeitige oberirdische Führung wird beibehalten) und dort zu bündeln. Ergebnis ist eine verkehrsberuhigte Strassenzone (die „Theaterstrasse“) sowie die Erweiterung der innerstädtischen Kernzone um das Areal des neuen Musiktheaters. Generell nimmt die Baukörpergestaltung Bezug zum städtischen Umfeld, hinsichtlich der Massstäblichkeit, der Blickachsen und der transparenten Gestaltung des neuen Musiktheaters mit den drei goldfarbenen auskragenden Baukörpern („Fingern“).
Weiteres massgebliches städtebauliches Element als Zusatzangebot: Eine Freiluftarena für 600 Personen mit angeschlossenem Pausenbereich am Dach des gegen die Blumauerstrasse gerichteten Baukörpers, die Open Air Konzerte inmitten des dichten Stadtkörpers ermöglichen soll.
Für die Bebauung der Restfläche im Zwickel zwischen der neuentstehenden „Theaterstrasse“ und der Blumauerstrasse wird eine „belebte“ Nutzung vorgeschlagen, die Betriebe wie Restaurants, Cafés oder Räumlichkeiten für Kunstbetriebe bereitstellt. Die architektonische Entscheidung für die spitzwinkelige Form trägt der optischen Signalwirkung Rechnung, die auf den Blick in Richtung Landesregierungszentrum und Bahnhof ausgerichtet ist. Unter diesem spitzwinkeligen Baukörper liegt die Tiefgarageneinfahrt; der Bereich zwischen dem Baukörper und dem neuen Musiktheater dient als Fussgängerzone, aber auch als Zufahrt für Einsatzfahrzeuge. Entlang der Blumauerstrasse unter der Auskragung des Musiktheaters liegt auch die Ladezone mit dem Ladehof.

Architektonische Lösung:
Basisbauwerk und drei „goldfarbene Finger“

Als architektonische Lösung wird ein rechteckiges Basisbauwerk angedacht, das mit 19 m Höhenerstreckung an die umgebende Blockrandbebauung angepasst ist, und aus dem drei in ihrer Form und Funktion differenzierte Baukörper („Finger“) auskragen. Gegen den Park öffnet sich das Basisbauwerk mit zwei Fingerelementen: Ein eingeschossiger, „schwebender“ Finger, in dem der Foyerbereich untergebracht ist und unter dem der gedeckte Vorplatz liegt, ermöglicht die Durchsicht vom Park zur Theaterstrasse. Ein zweiter Finger (12 m Höhenerstreckung) wird für ein Restaurant mit Terrasse vorgeschlagen, das auch von ausserhalb des Musiktheaters betretbar ist, und die (optische) Verbindung zum Park herstellt. Der dritte Finger ist mit seiner grösseren Dimensionierung als bauliches Gegengewicht gegen die stark befahrene Blumauerstrasse gerichtet.
Fassaden- und Dachgestaltung: Das Basisbauwerk soll mit seiner Glasfassade den Dialog mit dem Umfeld aufnehmen sowie die Ablesbarkeit der verschiedenen Ebenen und ihren differenten Funktionen ermöglichen. Die „Finger“ sind jeweils an ihren Stirnseiten transparent gehalten; die restlichen Flächen sind mit einem warmen, goldfarbenen Metallgewebe verkleidet, das durch ihre unterschiedliche Wirkung bei Tages- oder Nachtlicht einen zusätzlichen städtebaulichen Akzent setzt. Das Basisbauwerk soll seine offene Dachlandschaft beibehalten, die Dächer der „Finger“ werden mit Oberlichten versehen.


Funktionelle Lösungen:
Das geforderte Raumprogramm wurde nicht nur erfüllt, sondern zusätzlich noch um das Angebot der Freiluftarena in der Dachzone des dritten Fingers und des Restaurants im zweiten Finger erweitert. Die unterschiedlich vorgeschlagenen funktionalen Ebenen gliedern sich wie folgt:
Parkseitig von der Landstrasse bzw. Theaterstrasse kommend, führt ein prozessionsähnlicher Ablauf die Besucher in die Eingangsebene A: Über den offenen Bereich unter dem schwebenden „Finger“ und über den Windfang gelangt man in die Eingangshalle. Eine Rampe (auch für Behinderte sowie für VIP-Besuche vorgesehen) und ein Wasserbecken unter der Auskragung des „schwebenden Fingers“ werten die Attraktivität der Eingangszone auf. Die freien Stiegen in der Eingangshalle führen einerseits in den Studiobereich (abtrennbarer Publikumsbereich angeschlossen), in den abgesenkten Brucknerbereich (mit angeschlossenem Publikumsbereich und Nebenräumlichkeiten), sowie in den Chorproberaum mit Nebenräumen. Andererseits in die darüberliegende Foyerebene B mit dem grossen Musiktheatersaal für 900 Personen und der angeschlossenen Terrasse. Die unterschiedlichen Bühnenebenen, die Werkstätten und die Galerieebene sind funktionsoptimiert verbunden. Das geforderte Verhältnis der Parkett- und Galerieplätze von 30:70 wurde erfüllt. Das Restaurant ist von beiden dieser unteren Ebenen A und B zu erreichen. Die nächste Ebene C des Bühnenturms nimmt den Luftraum für den Musiktheatersaal, die Künstlergarderoben sowie die Küche und Kantine auf. Für die Künstler sind Terrassen (auf der Seite der Garderoben sowie von der Kantine aus zugänglich) auf dem Dach des Basisbauwerks vorgesehen. Ebene D nützt die Höhe des Musiktheatersaales für Künstlerräume und Büros, die letzte Ebene E nimmt die Freiluftarena (erschlossen von Glasliften in der Eingangshalle, die in den oberen Ebenen zu Panoramaliften werden) auf. Die Freiluftarena sowie das Restaurant im „Finger“ sind Angebote, die nicht nur vom Theaterpublikum genutzt werden sollen. Das Musiktheater steht so in steter Wechselwirkung mit der Stadt und kann als neuer urbaner Knotenpunkt das Stadtzentrum aufwerten..