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Wohnhaus Pötzleinsdorf

Bauherr: privat / Mitarbeit: Architekt DI Oliver Groh, Landschaftsarchitektur: Cordula Loidl-Reisch, grünplan gmbh, Statik: Gmeiner-Haferl ZT GmbH; Fotos: Rupert Steiner / eigen

Auszeichnung: gebaut 2016

Das Gebäude für zeitgemäße, gehobene Wohnansprüche zu adaptieren, es fachgerecht zu sanieren, seine ursprünglichen Qualitäten herauszuarbeiten und die neuen Ergänzungen in Einklang mit der Charakteristik des Bestandes zu bringen, lautete die selbstgestellte Aufgabe. Dazu war eine gründliche Auseinandersetzung mit der Baustruktur, Behutsamkeit bei der Wahl der Eingriffe sowie handwerkliches, technisches und denkmalpflegerisches Know-how unerlässlich. Nur noch auf den zweiten Blick waren die Qualitäten des 1905/06 nach Plänen des Baumeisters Paul Oberst errichteten Hauses in Pötzleinsdorf erkennbar: die Fassade desolat, die historischen Kastenfenster durch Kunststofffenster ersetzt, die gartenseitigen Veranden in eine dunkelbraune Verschalung gepackt und die Bausubstanz aufgrund der damaligen kostengünstigen Bauweise partiell angegriffen.

Im Gegensatz zu vielen anderen aus der gleichen Zeit stammenden Häusern in der Nachbarschaft, war der secessionistische Putzdekor noch erhalten. Die straßenseitig in Erscheinung tretenden Fassaden konnten daher originalgetreu instandgesetzt werden. Es wurden Kastenfenster aus Holz nach historischem Vorbild eingebaut, das Vordach restauriert, der alte Zaun hergerichtet und ein neues Schiebeelement für die Zufahrt integriert. Nicht Farben, sondern verschieden strukturierte Putzoberflächen, Gesimse und Zierelemente gliedern einheitlich in Weiß gehalten die Schauseiten, was deren Plastizität zur Geltung bringt und das Licht- und Schattenspiel der gliedernden Elemente in den Vordergrund rückt. Selbst an der Gartenseite, wo die innere Neuorganisation offenbar wird, wurde Bedacht genommen, das historische Flair des Vorstadthauses zu erhalten und den zuvor kaum vorhandenen Bezug zum Garten – baulich und atmosphärisch herzustellen. Befreit von den späteren Verkleidungen wurde den Veranden wieder die ursprüngliche Textur zurückgegeben und mit einem hellen Beige ein freundlicher Farbton gegeben, der die Leichtigkeit und Luftigkeit dieser zwischen Wohnraum und Garten vermittelnden Raumteile betont. Nach oben wurden die Veranden mit einer überdachten Terrasse überbaut, seitlich schließen Balkone an, die nun allen Wohnebenen Zutritt ins Freie verschaffen.

Gemäß Josef Franks Motto „Man kann alles verwenden, was man verwenden kann“ wurden die neuen Eingriffe in die Bestandsstruktur integriert und Vorhandenes klug eingebunden. So blieb die einstige Dachbodenstiege, die das oberste neue Wohngeschoss erschließt, erhalten und zahlreiche Nischen wurden genutzt, um Nebenräume und Einbaumöbel aufzunehmen.

Das großzügige neue Wohngeschoss wurde als schlichte Box in zarter Stahlrahmenkonstruktion so in das Dach eingeschnitten, dass dessen Kontur straßenseitig unangetastet blieb und sich gartenseitig der Raum auf eine große Terrasse ins Freie weitet. Der neue Lift – positioniert im Vorraum des Erdgeschosses und auch barrierefrei über einen neuen Seiteneingang erreichbar- führt direkt in die neue Dachwohnung, wo er zugleich den Wohnraum gliedert.

Im Erdgeschoß entstand in ehemaligen Wirtschaftsräumen ein Atelier, das sich fast über die gesamte Gebäudebreite nach außen öffnet und in die sanft modulierte Landschaft des von Cordula Loidl-Reisch gestalteten Gartens mit Swimmingpool übergeht und mit einem kleinen Gartenhaus einen Abschluss findet. Wie ein Teppich spannt sich der mit streifenförmigen Rabatten und Pflasterungen im römischen Verband gegliederte Grünraum zwischen dem Haus und dem Nebengebäude auf und wird so zum integrativen Bestandteil des Wohnambientes.

Während innerhalb des Altbestandes mit traditionellen Oberflächen und Gestaltungselementen – Parkettböden in den Zimmern, Onyx im Bad, maßgefertigten Holzjalousien – gearbeitet wurde, vermitteln die hellen klaren Oberflächen in den neu ausgebauten Ebenen im Dach und im Gartengeschoß eine luftige Modernität, der es jedoch nicht an Wohnlichkeit mangelt. Raumhohe Verglasungen und ein samtig wirkender Gussterrazzo aus Weißzement und Carrara-Marmor bilden den neutralen Rahmen für eine vom Anspruch einer gewissen Alterslosigkeit getragenen Wohnkultur.

Hochwertige Materialien, eine gediegene handwerkliche Ausführung, Liebe zum Detail und das selbstverständliche Miteinander von Alt und Neu sorgen dafür, dass das Haus langfristig für die Zukunft gerüstet wurde, ohne die Historie zu konterkarieren.

vor Umbau / nach Umbau
vor Umbau / nach Umbau
vor Umbau / nach Umbau
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